
Ramadan 2020 war ein Fastenmonat, wie es ihn vermutlich noch nie gegeben hat. Wegen der Pandemie waren die Moscheen lange geschlossen, das allabendliche Fastenbrechen in großer Gemeinschaft musste ausfallen.
Iftar, das Essen zum abendlichen Fastenbrechen, ist sonst ein sozialer Höhepunkt. Hunderte kommen zusammen, die Moscheen sind voll. In diesem Jahr blieb das aus. Manche Gemeinden, etwa die El-Iman-Gemeinde in Harburg, setzten deshalb auf „Iftar to go”, eine Tüte mit warmem Essen und eine mit Obst und Wasser.
Auch nachdem die Gotteshäuser wieder öffnen durften, war der Andrang überschaubar. In der Schura Hamburg sind über 50 Gemeinden organisiert, und mein Eindruck war klar. Statt der großen öffentlichen Gemeinschaft gab es diesmal eine Besinnung auf die Familie. Viele Familien sind enger zusammengerückt und haben das Beste aus der schwierigen Lage gemacht.
Der Ramadan endet mit dem Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens. Es ist neben dem Opferfest das wichtigste Fest im Islam, eine Zeit, in der Familien zusammenkommen, vergleichbar mit Weihnachten. 2020 durften nur wenige Personen aus zwei Haushalten zusammenkommen, Gottesdienste gab es unter Abstandsregeln.
Hintergrund und Stimmen dazu beim NDR.
Im Rückblick war dieser Ramadan eine unfreiwillige Lehrstunde. Gemeinschaft hängt nicht am vollen Saal, sondern an der Verbindung zwischen Menschen, und die ließ sich auch über Telefon, kleine Pakete und gegenseitige Rücksicht halten. Für die Schura und ihre Gemeinden bedeutete das viel Organisation im Hintergrund, von Hygienekonzepten bis zur Frage, wie man älteren Gemeindemitgliedern trotz Abstand nahe bleibt. Die Erfahrung hat gezeigt, wie tragfähig nachbarschaftliche Strukturen sind, wenn die großen Formen wegfallen.
Mehr zu meiner Arbeit in dieser Zeit steht im Beitrag über meine Jahre im Vorstand der Schura Hamburg. Wie sich das Gemeindeleben nach der Pandemie wieder öffnete, zeigt der Tag der offenen Moschee.
