
Bismillah ar-Rahman ar-Rahim, im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Wir stehen hier zu einer Friedensandacht. Es geht nicht um die Frage, ob Muslime und Christen denselben Gott meinen. Nach meiner Überzeugung beten wir denselben Gott an. Wichtig ist, dass wir uns gemeinsam für die Schöpfung einsetzen. Das ist unser gemeinsamer Nenner. Wir dürfen uns nicht in den Unterschieden der Vorstellungen verlieren.
Ich wurde nach dem Thema des Tages gefragt. Ich sagte Christchurch. Der Fragende erwiderte, das hatten wir doch schon. Und ich antwortete, aber diese Menschen sind immer noch tot.
„Hello Brother”, so wurde der Terrorist aus Neuseeland begrüßt, als er die Moschee betrat. Dann begann er sein schändliches Werk. Auch ich stehe oft beim Empfang von Gästen an unserer Moscheetür. Ich habe getrauert und trauere noch. Es fühlt sich an, als hätte es auch bei uns geschehen können. Ich wäre dann nicht wütend auf die deutsche Gesellschaft, so wenig wie es die neuseeländische war, sondern auf einen Rassisten, einen Unmenschen, möge Gott ihn rechtleiten und die weltlichen Richter ihn gerecht bestrafen.
Ja, auch ich hätte in der Tür stehen können. Dieser Gedanke macht Angst. Und doch wird dieser Terror mich nicht davon abhalten, die Hamburgerinnen und Hamburger weiter mit einem freundlichen Lächeln in unserer Moschee zu begrüßen. Niemals.
Dieses Wesen dachte, es töte 50 Muslime. Aber dann wurde der Quran im neuseeländischen Parlament vorgelesen. Der Adhan, der Gebetsruf, wurde im ganzen Land übertragen. Die Freitagspredigt lief im Fernsehen. Der Premierminister verlas einen Hadith. Viele Frauen trugen aus Solidarität ein Kopftuch. Das ist keine Islamisierung Neuseelands, das ist eine wunderschöne Art, Solidarität auszudrücken. Eine ganze Gesellschaft sagte mit einer Stimme Nein zum Rassismus. Auch wir hier in Hamburg sagen Nein zum Rassismus.
Liebe Freunde, macht euch ein eigenes Bild von unserer Religion. Lasst euch nicht von Populisten lenken. Als Muslime verweigern wir, dass Fanatiker für uns sprechen und unsere Religion missbrauchen. Genauso wenig spricht dieser Rassist für die westliche Welt oder für die Christen.
„Wehret den Anfängen” war einmal ein Versprechen, das wir uns als deutsche Gesellschaft gegeben haben. Lasst es kein Lippenbekenntnis sein. Lasst uns dieses Versprechen nicht nur auf Antisemitismus anwenden, sondern auf jeden Hass. Lasst uns als gute Nachbarn wachsam bleiben und aufeinander achten, nicht als Muslime oder Christen, sondern als Geschöpfe Gottes.
„Und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.” (Hebräer 10,24 bis 25)
„Unter euch soll es eine Gemeinschaft geben, die zum Wohl einlädt, das Rechte gebietet und vom Übel abhält.” (Sure Al Imran, Vers 104)
Mehdi
